Emanzipation

Seit ein paar Tagen befinde ich mich ständig etwas unwohl. Gemütlich ist das nicht und so richtig Lust hab ich auch keine mehr. Diesen Zustand möchte ich nutzen, um den Erfindern zuverlässiger Verhütungsmittel meinen tief empfundenen Dank auszusprechen, bevor es mir wieder besser geht und ich alles vergesse. So wie es mir jetzt geht, wäre ich nicht mehr in der Lage, sogenannte Männerarbeit zu verrichten, bzw. alles, was mit Heben, Tragen oder auch nur zügig durchs Büro marschieren zu tun hat. Glücklicherweise kann ich das mit einer gewissen Entspanntheit nehmen, weil ich weiß, dass es nicht nächstes Jahr wieder so sein wird, und das Jahr danach und das danach, bis mich die Wechseljahre erlösen.
Man muss sich für solche Zustände nicht in graue Vorzeit oder islamistische Gesellschaften versetzen, schon die katholische Kirche, Grundpfeiler der Gesellschaft, gesteht mir so viel Freiheit nur widerwillig zu. Das Ausmaß dieser Einschränkung wird mir erst jetzt klar, man versteht halt doch nur, was einem bis ans Leben geht. Dürfte ich nicht verhüten, ich wäre an meinen Mann gefesselt, unfähig, selbst Geld zu verdienen, weil ständig entweder schwanger oder säugend. Wenn ich dazu noch den falschen Mann geheiratet hätte und mich nie mehr scheiden lassen dürfte: da läuft es mir schon bei der Vorstellung eiskalt den Rücken runter.

In diesem Sinne mit einer Verneigung vor Alice Schwarzer und Ludwig Haberlandt ins Wochenende.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

Ratgeber lesen nervt. Ich bin sowieso nicht die größte Freundin von Ratgeberliteratur, aber man  hat beim Thema Schwangerschaft und Geburt den Eindruck, das sei ohne Ratgeber gar nicht zu
schaffen. Was im Grunde genommen nur Blödsinn sein kann, es ist nicht das erste Mal, dass ich
etwas zum ersten Mal mache, und sich dabei an Ratgebern zu orientieren schadet nach meiner
Erfahrung mehr, als es nützt. Man nehme als Beispiel nur die Ratgeber zu Vorstellungsgesprächen, in denen empfohlen wird, sich bis zur Unkenntlichkeit zu verkleiden und als eine fremde Person auszugeben. Man fühlt sich dann während des Gesprächs furchtbar unwohl und wundert sich hinterher, warum man jetzt einen Job angeboten bekommt, der nicht zu einem passt. Ich vermute, dass es mit den Ratgebern zur Schwangerschaft genauso ist, aber da geht es gefühlt immer gleich um Leben und Tod (oder das Abitur), wenn man was falsch macht.

Ich habe also in diverse Ratgeber reingeblättert und mir sogar mal “Die Hebammensprechstunde” aus der Stadtbücherei ausgeliehen. Was gut war, weil mich das ständige Empfehlen von Duftölen gegen handfeste Leiden (Pilzinfektionen, Blasen- und Darmgeschichten) auf Dauer wahnsinnig
gemacht hätte, so konnte ich das Buch wenigstens zurückgeben. Allen Ratgebern gemein ist, dass
sie es für ihre Pflicht zu halten scheinen, einen auf alle möglichen Probleme hinzuweisen, auf
die man sonst gar nicht gekommen wäre bzw. die ich nicht mit der Schwangerschaft in Verbindung
gebracht hätte. Schon seit langem könnte ich an massiver Verstopfung, Krampfadern und
Stimmungsschwankungen herumkurieren, sowie an einem der weiter hergeholten Probleme:
Plattfüßen. Tu ich aber nicht. Das einzige, das ich tatsächlich habe, sind widerliche
Rückenschmerzen. Ich habe sie anhand von diversen anatomischen Zeichnungen dem “breiten
Rückenmuskel” zugeordnet, er fängt etwa zwischen den Schulterblättern an und führt bis vorne an
die Rippen und kann entsprechend breit gefächert schmerzen. Das hilft aber auch nicht.

Zur Entspannung habe ich mir trotz der Ratgeberabneigung “The idle parent” angeschafft, in dem
es auf ca. 250 Seiten darum geht, bei der Kinderaufzucht möglichst wenig Arbeit und
Schuldgefühle zu haben. Ich mag nämlich zum Beispiel kein Lego und fühle mich deswegen schon
jetzt schlecht. Und falls mir jemand die Schönheit eines Indoor-Spielplatzes erläutern kann,
möge er sich bitte melden, ich stelle mir darunter eine intensive Form der psychischen Folter
vor. “The idle parent” gesteht mir dazu als einziges mir bekanntes Buch das Recht zu.

Der merkwürdigste Kauf war bisher “Es geht auch ohne Windeln”, das ich mir zugelegt habe,
weil eine werdende Mutter im Geburtsvorbereitungskurs davon sehr angetan war und das Buch nicht zum Katalog der Stadtbücherei gehört. Nunja: Ich weiß nicht so ganz, was ich dazu sagen soll. Der Ton ist mir persönlich zu ideologisch und vermutlich an die Klientel gerichtet, die auch keine “schädlichen” Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nimmt und im Wald entbindet. Ich möchte eigentlich nicht bis zum Alter von zwei Jahren in Symbiose mit meinem Kind leben, damit ich auch rechtzeitig bemerke, wann es zum Klo getragen werden will; andererseits hält sich auch meine Lust, mehrmals täglich mit feuchten Lappen an die Entfernung von Scheisse von der Haut eines anderen Lebewesens zu gehen in Grenzen. Mal sehen.

Ganz allgemein wird es langsam ungemütlich, ich kann nicht mehr krumm dasitzen, weil sich mir dann früher oder später ein protestierender Fuß in die Leber bohrt und grade dasitzen kann ich
wegen des breiten Rückenmuskels auch nicht. Die Ärztin empfiehlt, sich nicht so aufzuregen und
viel zu liegen, dabei langweile ich mich. So hänge ich irgendwo zwischen grade und krumm vorm Rechner und versuche, meine verbleibenden Arbeitsstunden rechtzeitig vor Mitte Juni abzubauen, zwischendurch nähe ich Kram aus Altkleidern, den ich demnächst mal fotografieren und vorzeigen muss. Noch acht Wochen.

Da haben wir den Salat

Elmar kommt nach der Oma und ist seiner Zeit voraus, und zwar um drei Wochen. Ein Rechenfehler kann es nicht sein, das wäre früher aufgefallen und in der sechsten Woche war er noch zeitgerecht groß.
Ich habe heute Morgen versucht, ihm zu erklären, dass seine Vorfahren große Menschen sind, auch die Frauen. Er muss sich mit dem Wachsen also eigentlich nicht anstrengen, das kommt dann schon von selbst. Vorsichtig habe ich angemerkt, dass ich ein angestrengtes Wachsen zum jetzigen Zeitpunkt eventuell sogar für kontraproduktiv halte. Das bringt uns nicht voran, auch wenn es so scheint. Die inneren Werte zählen auch. Aber angeblich hören Kinder nie auf ihre Eltern, sie schlagen ihnen nur nach. Wenn das wahr ist, bekomme ich einen Riesen von neun Pfund (Pfund ist eine schöne Einheit, wie ich finde; grade der Gebräuchlichkeit beim Messen von Nahrungsmitteln und Neugeborenen wegen).
Außerdem wird die halbe Wohnung zur Zeit noch von Untermietern bewohnt, die für den Sozialdienst katholischer Frauen unser Einkommen steigern. Drei Wochen zu früh brächte ein Gemeinschaftserlebnis im Sinne der Siebziger mit sich, mit Wehenveratmen im Kreise der Kommune, während die Männer auf das neue Leben anstoßen. Juchee.

Beraten und verkauft

Was ich in der Zwischenzeit so gemacht habe: Das Leben auf die Reihe kriegen. Mich beraten lassen. Darüber verzweifeln. Eine Wohnung anmieten, auch darüber verzweifeln. Umziehen und immer noch überall Baustellen sehen, aber nicht mehr ganz so viele. Auf dem Balkon sitzen.
Ich ordne chronologisch und fange mit den Beratungsstellen an.

Inzwischen waren wir bei drei davon, was nicht an unserem übergroßen Bedarf liegt, sondern mit dem Umzug und den unterschiedlichen Zuständigkeiten der Stellen zusammenhängt. Was uns nicht so klar war: Wir sind ein schwieriger Fall.

Beratungsstelle Nr. 1: Das Studentenwerk München
Für die Frau vom Studentenwerk braucht man keinen Termin, man geht in die Sprechstunde. Man bekommt eine Aufzählung der eventuell möglichen finanziellen Hilfen, es gab dazu auch mal einen sehr schönen Flyer, aber der ist bis auf ein vergilbtes Exemplar (“Nur zur Ansicht”) vergriffen. Im Nachhinein war die Beratung zwar vollständig, aber nicht persönlich. Wenns konkret werden soll, muss man zum Bafög-Amt/Sozialamt/zur katholischen Beratungsstelle. Wohin wir dann auch gegangen sind.

Beratungsstelle Nr. 2: Der Sozialdienst katholischer Frauen München
Die katholischen Frauen wurden mir, so ehrlich muss ich sein, von meiner Mutter mit den Worten “Da bekommst du einfach Geld.” empfohlen. Ganz so einfach ist es nicht und es wird den katholischen Frauen auch nicht gerecht. Die haben kein Mitleid, geben sich aber alle Mühe, einem die Möglichkeiten zu erklären, die man so hat, um zu überleben. Als da wären: Hartz IV.

Die Lage stellt sich nämlich folgendermaßen dar: Für die Finanzierung des studentischen Lebensunterhalts sind die Eltern des Studenten zuständig, sind diese dazu nicht in der Lage, das Bafög-Amt. Um die wirklich Bedürftigen herauszufiltern und kein Geld an Bonzenkinder zu verschwenden gibt der Staat Summen aus, deren Höhe ich mir gar nicht vorstellen will. Der Aufwand geht bis zur Taschenkontrolle bei der Antragsstellung und ernährt sicher zahlreiche Beamtenkinder, auch studierende. Jeder Sonderfall (Studiengang gewechselt, gejobbt und deswegen länger gebraucht, etc.) fällt aus dem Raster und hat nur noch die Möglichkeit, noch mehr zu jobben oder einen Studienkredit aufzunehmen. Studierende im Urlaubssemester haben sich beim Arbeitsamt zu melden und vermitteln zu lassen. Grundsätzlich, auch wenn das Urlaubssemester beantragt wurde, weil aus dem einen oder anderen Grund nicht studiert und somit auch nicht gearbeitet (jawoll, da gibt es Schnittmengen!) werden kann.
Die Feststellung der Arbeitsunfähig- oder Unvermittelbarkeit liegt beim Amt, verlangt einen 20-seitigen Antrag, die Offenlegung sämtlicher Vermögensverhältsnisse und dazu die Zuweisung eines sogenannten Erstvermittlers. Das alles wohlgemerkt auch dann, wenn die Studierende das Urlaubssemester beantragt hat, weil sie sich nicht in der Lage sieht, ein Neugeborenes zu versorgen und gleichzeitig voll zu studieren: Das Amt wird versuchen festzustellen, ob sie nicht doch noch auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar ist und seine Zuwendungen davon abhängig machen.
Von einer Juristin habe ich gelernt, solche Seltsamkeiten immer danach zu untersuchen, ob sie ausgenutzt werden könnten; das ist hier natürlich der Fall, ich will mich gar nicht beschweren.
Wenn nun zwei Einkommen, die vorher zwei Studierende ernährt haben, auf einmal für drei reichen sollen und ein Einkommen auch noch weniger wird, was kann man da tun?

Nunja, dachten wir uns, da kann man sicher Wohngeld beantragen, Kindergeld bekommt man ja auch, dann erzählten uns ähnlich schwach situierte Bekannte noch vom Kindergeldzuschlag, das sollte ja dann reichen. Die Bekannten rieten, sich überhaupt keine Sorgen zu machen, man könne sich vor Beihilfen förmlich nicht retten. Was wir nicht wussten: Die Bekannten verdienen doch etwas mehr als wir. Das macht sie in den Augen des Staates aber nicht etwa weniger berechtigt, Hilfen zu empfangen. Im Gegenteil, der gute Vater Staat vergibt sowohl Wohngeld als auch Kindergeldzuschlag erst ab einem gewissen Mindesteinkommen. Wer darunter liegt, hat a) beim Wohngeldantrag geschummelt und verdient in Wirklichkeit mehr oder er ist b) ein hoffnungsloser Fall, der sich noch nicht mal bemüht und dessen Finanzen man am besten gleich dem Amt überlässt.

Was zu viel oder zu wenig ist, kann niemand so recht einschätzen, auch nicht der Sozialdienst katholischer Frauen. Offensichtlich verdiene ich zu viel, um signifikante Summen an Hartz IV zu bekommen, wir gemeinsam aber so wenig, dass selbst für einen Antrag auf Hilfen aus dem Fonds der katholischen “Stiftung Mutter und Kind” noch ein bißchen gemogelt werden muss. Für Wohngeld ist es tendenziell auch zu wenig, dafür muss man nämlich mindestens so viel verdienen, wie einem nach Hartz IV zusteht, plus die Kaltmiete der Wohnung, Kindergeld nicht eingerechnet. Das wird knapp. Auch käme ich, verdienten wir tatsächlich deutlich mehr als das, gar nicht auf die Idee, Wohngeld zu beantragen, dann könnten wir uns die Bude ja problemlos leisten.
Beim Kindergeldzuschlag sieht es ähnlich aus, dafür müsste entweder mein oder unser gemeinsames Einkommen innerhalb gewisser Grenzen liegen. Diese gibt es nicht schwarz auf weiß, weshalb man versuchen muss, aus dem Kopfwiegen der Beratungsdame eine Tendenz herauszulesen. Was nicht einfach ist, die Dame hat Jahrzehnte Erfahrung darin, nicht zu viel zu versprechen, allerdings: “Isch geb mer Mühe.”

Und das hat sie wohl mit so viel Erfolg getan, dass der Umzug finanziert und die Lage nicht hoffnungslos ist. So siehts aus. Der Sozialdienst katholischer Frauen hat mir den Arsch gerettet, dabei geh ich nie in die Kirche. Ob ich deswegen jetzt ein schlechtes Gewissen haben muss, darüber bin ich mir noch nicht ganz einig mit mir selbst.
Im Moment fühlt es sich zumindest wichtig an, das den Damen zurückzuspenden, sobald ich dazu in der Lage bin. Ich hoff ich erinnere mich dann noch daran.

Anträge für Aufgeweckte #3: Die Vaterschaft anerkennen

Die vorgeburtliche Vaterschaftsanerkennung findet auf dem Kreisverwaltungsreferat bzw. Standesamt statt. Dorthin hat man eine Anzahl Dokumente mitzubringen, die online aufgelistet sind. Vor Ort wird man dann nach Dokumenten gefragt, die nicht in der Liste stehen, heute morgen von einer gereizten Blondine, deren Laune gestern Abend schon angefangen haben muss, zusammen mit dem Wetter abzukühlen.
Die Dame tippt dann eine Weile schweigend herum, man muss eine Urkunde unterschreiben, das wars. Wir mussten drei Urkunden unterschreiben, weil Blondie zuerst meinen zweiten Vornamen in die Zeile für den Familienstand geschrieben und dann zur Korrektur einfach das Leerzeichen zwischen den beiden Vornamen gelöscht hatte. Als ich das fehlende Leerzeichen bemängelte, war ihre Geduld am Montagmorgen wohl endgültig erschöpft, sie nannte mich pingelig und befand im Gegenzug meine Unterschrift für unleserlich, die hätte ich nochmal in Druckbuchstaben zu wiederholen.
Pingelig finde ich nun das falsche Wort dafür, dass ich in einem offiziellen Dokument meinen richtigen Namen stehen haben möchte. Aber ich arbeite auch nicht beim Amt.
Sie hat die Version ohne Leerzeichen dann behalten, als Kopie fürs KVR, ohne meine Unterschrift. Ich bin gespannt, ob das nochmal auffällt.
Mit der Anerkennung der Vaterschaft ist übrigens noch nichts über das gemeinsame Sorgerecht und den Namen des Kindes gesagt. Ersteres muss man gesondert und kostenlos beim Jugendamt beantragen, letzteres auch, oder man zahlt Blondie eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro, dann trägt sie den Namen schonmal ein. Die Wahl fiel nicht schwer.

Haarige Geschichten

Soeben eine vermeintlich idyllisch abfallende Hügellandschaft gezeichnet, nur um dann festzustellen, dass es aussieht wie ein Hintern.
Kinderbücher sind übrigens das Paradies für die Grafikerin mit seltsamem Humor, auch da darf heutzutage nach Herzenslust zu schönen Zeichnungen gefurzt werden. Was heißt heutzutage, schon als ich klein war, wurde in einem unserer Bücher einem Maulwurf auf den Kopf defäkiert und er musste sich durch mindestens ein Dutzend Seiten mit dem Haufen auf dem Kopf quälen, bis der Verursacher gefunden war. Aber er hat nie aufgegeben und sich seiner lächerlichen Lage nicht geschämt. Eine Geisteshaltung, mit der er ein guter Student oder Wutbürger hätte werden können, oder eine Figur im Tatort (ich denke an diesen Gerichtsmediziner aus Norddeutschland, mir fällt nur grade nicht ein wo, da gibt es viele Fahrräder).
Dann gab es noch die Raupe, die immer noch mehr Hunger hatte, an der scheint sich S. ein Beispiel genommen zu haben. Immer wenn man denkt, jetzt könnte ich aber wirklich nichts mehr essen, fällt ihm ein, dass er noch gar keinen Nachtisch hatte.
Auch äußerst nützlich: Das Buch, in dem hundert Verwendungsmöglichkeiten für eine tote Katze aufgeführt waren, von der Klobürste bis zum Fahrradständer.
Des weiteren bin ich bis heute dankbar für den Anti-Struwwelpeter, in dem ein halbwüchsiger Punk sich sein wirres Haar nicht schneiden lassen will und seine Freunde einläd, um mit ihnen gemeinsam dem Frisör aufzulauern.
(Im Ernst, den echten Struwwelpeter lese ich ganz sicher niemandem vor, von dem könnte ich heute noch Albträume bekommen. Es gibt keinen Grund, irgendjemand in dem Glauben aufwachsen zu lassen, er bekäme mit einer Riesenschere den Daumen abgeschnitten, sollte er es wagen, dran zu lutschen. Meine Oma hatte auch noch wirklich so eine Schere. Und was man da für sexualpädagogische Untertöne hören kann, wenn man will, huiuiui.)
Dann gab es natürlich noch “Elmar”, wenn ich mich recht erinnere geht es da um einen bunten Elefanten, der wird dann immer ausgegrenzt, bis über Nacht jemand alle anderen Elefanten auch bunt anmalt.. Integrationspädagogik, schnarch.
Aber “Eddie mit den eckigen Augen” muss her, oder wiedergefunden werden, je nachdem. Bei Amazon ist es leider grade vergriffen. Das ist sowohl thematisch (Kind starrt so lang in den Bildschirm, bis es nur noch in Pixeln sehen kann) wie vom Design her jetzt noch viel aktueller als früher. Es bestand kaum je eine Gefahr, dass ich zu lang in unseren gebrauchten Fernseher mit den dreieinhalb Programmen schaue, aber heute haben sie ja schon im Kindergarten Facebook.
Dann hatten wir noch eins, in dem ein auf zwei Beinen gehender Tiger an der Tür klingelt, als Mutter und kleine Tochter grade Tee trinken wollen. Der Tiger isst die Voratskammer und den Kühlschrank leer, trinkt alles Wasser aus dem Hahn und verzieht sich wieder. Als der Vater nach Hause kommt, ist nichts mehr da und es muss Dosenfraß aufgewärmt werden. Ich durchschaue ehrlich gesagt nicht, ob die Geschichte eine tiefere Bedeutung haben soll oder nicht und stehe ihr deswegen etwas skeptisch gegenüber. Aber ich habe das Buch letztes Jahr im Museumsladen der Pinakothek der Moderne gesehen, es war auch wirklich schön gezeichnet.
Vorhin im Buchladen war ich schwer in Versuchung bei “Olga, Henrike und die haarige Geschichte mit dem Austauschfranzosen”, weil ich die Geschichte wirklich hören wollte. Inzwischen vermute ich, dass das Taktik war, geschätzte 70% der deutschen Schüler könnten eine haarige Geschichte von einem Austauschfranzosen erzählen. Der Franzose im Buch stellt sich glaube ich als Werwolf heraus, also nichts, das einen groß überraschen würde.

Dafür habe ich bisher noch gar kein Interesse an niedlichen Stramplerchen, Söckchen oder Ähnlichem. Es ist mir egal. Solange es keine Löcher hat und noch sauber wird, verwende ich es. Ist auch besser so, aus Büchern wächst man nicht so schnell raus.

Anträge für Aufgeweckte #2

Ein Ausbund an seltsamem Timing: Der Antrag auf Beurlaubung an der neuen Universität. Dort bin ich noch gar nicht zugelassen, es fehlt dazu das Bachelorzeugnis. Dieses soll ich bis Ende Mai einreichen, habe auch dann erst meinen Semesterbeitrag zu zahlen und erhalte ensprechend die Zulassungspapiere.
Den Beurlaubungsantrag für dieses Studium, zu dem ich noch nicht endgültig zugelassen bin, muss ich allerdings bis morgen stellen, sonst kommt er zu spät.
Das verstehe jetzt wer will.

Kevin

Bei der Wahl des Broterwerbs habe ich meine ganze Schulzeit über an das Prinzip der Berufung geglaubt. Man lebt vor sich hin und eines Tages trifft es einen wie der Blitz: Ich muss Klempner werden! Das war dann leider nie so, ich habe mich damit abgefunden, aber noch heute beneide ich die Abiturienten, die schon genau wissen, was sie werden wollen (in diesen harten Fällen bevorzugt Arzt). Und jetzt geht es mir schon wieder so!
Da denkt man sein ganzes Leben lang, wenn mal ein Kind kommt, soll es den schönsten Namen überhaupt haben, nichts Halbherziges (“Christian”), nichts Modisches (“Leon”), nein, ein Name mit Klang und Saft und Kraft, mit dem man Skater werden kann und Bankvorstand und alles was man sich wünscht.
Jetzt ist es so weit, und es fällt uns nichts ein.
“Elmar” wäre das Einfachste, daran haben wir uns jetzt schon seit 5 Monaten gewöhnt und inzwischen ist es selbstverständlich ein Elmar, nur das wird ihm gerecht. Leider sieht das die Umwelt nicht so. “Elmar” stößt zunächst auf Heiterkeit, dann Unverständnis und schließlich, wenn  man es mehrmals mit der nötigen Selbstverständlichkeit ausgesprochen hat, gewöhnen sich die Menschen daran, werden höflich und finden es “gar nicht mehr so schlecht”.
Aber will man für sein Kind einen Namen, an den sich andere erst gewöhnen müssen?
Andererseits, die Menschen mit solchen Namen, die ich kenne (als da wären ein Severin, ein Korbinian, ein 3 Jahre alter Karl) beeinträchtigt das nicht; solange es sich grundsätzlich um gebräuchliche Vornamen handelt gewöhnt man sich schnell. Schwieriger wird es etwa bei “Mokka Lulu”, auch das ein mir bekanntes Kind, aber wenn es erstmal so heißt, kann man es ja auch nicht mehr ändern. Wirklich alberne Namen wie Luca-Jayden lassen wir mal weg, da ist Eltern und Kind eh nicht mehr zu helfen.
Reine Stromlinienförmigkeit scheint mir also kein Argument für einen Namen zu sein. Dass sich jeder damit anfreunden kann, führt früher oder später nur dazu, dass halbe Schulklassen so heißen (siehe “Christian”). Zu selten geht auch nicht, sonst muss er später Vor- UND Nachnamen buchstabieren, das nervt. Zu lang darf er nicht sein, des Nachnamens wegen. Bindestriche und Zweitnamen kommen nicht in Frage. Schlussendlich darf niemand aus dem unfassbar weit gestreuten Bekanntenkreis des S. so heißen.
Ich suche also: Einen maximal zweisilbigen Vornamen mit e oder i, der nicht mit L oder V anfängt, nicht die Abkürzung eines anderen Namens ist, nicht englisch ausgesprochen werden muss, aber auch nicht nach Mittelalter klingt und von dem ich nicht mehr als einen in der Abiturklasse hatte. Das ist wie Kreuzworträtsel, nur mit endgültigem Ergebnis.
Vielleicht sollte ich doch mal ein Buch konsultieren.

Noch ein Mal schlafen

Folgendes ereignete sich heute Nacht in meiner Großhirnrinde:
Am Abend vor der Prüfung gerate ich in eine Drogenrazzia. Aus irgendeinem Grund darf ich nicht nach Hause, sondern man bringt mich vorübergehend in der Butze eines Bundesgrenzschutzsoldaten unter, der mich am nächsten Morgen mit seinem getunten Kleinwagen in die Uni fahren soll. Unterwegs, wir sind schon spät dran, fällt ihm aber ein, er müsse noch bei seinem Kumpel vorbei und in dessen Fachgeschäft einen neuen Kampfanzug bestellen (beigegefleckt). Wie das unter alten Kumpels so ist, zieht sich das Verkaufsgespräch hin, ich bin schon zu spät dran und dann finden wir den Raum nicht und ich hab schon wieder umsonst gelernt.
Bin heute morgen um halb sechs im festen Glauben aufgewacht, es sei eh alles egal, mit dem Studienabschluss werde es dieses Semester nichts mehr.
Hoffentlich wird das heute nicht wieder so schlimm und dann ist es ja vorbei.